„Fußball! Fußball! Fußball!“ – Rakete schlägt Sparta 2-1

Am Freitag kam Sparta Erkrath an die Pariser Straße und Andi Yoon feierte Jubiläum. Zu diesem Anlass und aufgrund der Spitzenleistung der Rakete gibt es ausnahmsweise keinen klassischen Spielbericht. Dafür ein ganz besonderes Bonbon: Eine Einzelkritik (Lobhudelei). Viel Spaß!

Uli: Wie in der Vorwoche bester Mann auf dem Platz. Garant für den Sieg. In Hälfte 1 glänzte der Raketentorwartzauberer mit einer Glanzparade nach der anderen. Tolle Strafraumbeherrschung. Stark im Eins gegen Eins, war nur durch einen perfekten Freistoß zu bezwingen. Auch auf dem Heimweg mit gutem Auge, als er in feinster Heinz-Sielmann-Manier einen jungen Fuchs erspähte.

Thomas: Klasse vor allem der souveräne Spielaufbau, an dem er maßgeblich beteiligt war. Und defensiv natürlich eine Bank. Seine bloße Anwesenheit sorgte dafür, dass ein Spartastürmer den Ball aus zwei Metern am leeren Tor vorbeischob. Thomas ist wie ein alter Fuchs: Je oller, je doller.

Hendrik: Bärenstark schon seine Ankleidereihenfolge. Wohl kein Mensch sieht in Stutzen und Unterplinte so schön aus wie er. Auch sonst stark: im Zweikampf, beim Kopfballspiel, in der Kommunikation, unter der Dusche, in der Gaststätte. Spielt mit dem Gedanken, eine Musikerkarriere zu starten, sollte aber besser über Pizzaservice nachdenken. Denn: Hotte liefert immer und überall.

Andi Y.: Was wurde in den vergangenen Wochen nicht alles geschrieben über den Raketentausendsassa? Am Freitagabend kam die Wahrheit zu Tage. Yoon hat als erster Spieler überhaupt 100 Pflichtspiele für die Rakete bestritten und ist somit das einzige Mitglied im legendären „Club der Hunderter“. Folgerichtig war er Erstenalles und spielte bis zu seiner Auswechslung mit einem Blumenstrauß in der linken und seiner Urkunde für besondere Verdienste in der rechten Hand. Trug dabei einen P.-Diddy-Pelz aus Waschbär. Vor den Mikrofonen behauptete er später, es sei nicht Waschbär, sondern Marderhund gewesen. Erntete dafür einige Buhrufe. Mal wieder eine Partie im Rampenlicht.

Christian: Vorbild an Kampfkraft und Leidenschaft. Spielte mannschaftsdienlich, warf sich mit Verve in jedes Duell. Forderte viele Bälle, rieb sich auf, half da, wo es brannte und stand als Stümer da, wo er gebraucht wurde, als er das wichtige 1-0 erzielte. Dürfte man sich einen Spieler schnitzen, es wäre Freudenstein.

Giang: Nach seiner Einwechslung gelang direkt die erste Aktion und die war auch sein Maßstab für eine tolle zweite Hälfte. Machte die linke Seite dichter, als jede Rakete sich selbst vorm KHE. Konnte irgendwann eigentlich nicht mehr laufen, tat es trotzdem. Ganz stark auch sein Auftritt in der Vereinsgaststätte, als er ohne Begrüßungsworte zu verlieren einen „Bremsklotz“ orderte.

Andi R.: Ähnlich wie Freudenstein ein Wunschspieler für jeden Trainer. An Polyvalenz kaum zu überbieten kann man ihn überall hinstellen. Gegen Sparta spielte er eine Mauer, die keinen durchließ. Als in der Schlussphase der ersten Hälfte die Rakete wegzuknicken drohte, löschte er weiter konsequent, was es zu löschen gab. War sich für nichts zu schade an diesem Abend, nicht mal dafür, Yoon die Mottenkugeln aus dem Pelz zu knibbeln.

Leo: Auch auf der 10 wertvoll. Herrausragend sein Außenristpass auf Ulf vor dem 1-0. Später beackerte er die rechte Seite. Nach hinten diszipliniert und mit wichtigen Entlastunsangriffen nach vorne. Beste Szene: In Hälfte 2 rief er während eines Haberstockkonters: „Fußball! Fußball! Fußball!“

Ulf: Schaltete sich immer wieder gefährlich in die Offensive ein. So auch vor dem 1-0 als er Christian in der Mitte mustergültig bediente. Generell supergutes, schörkelloses Passpiel. Versorgte die Raketen in der Halbzeit dann mit süßen Leckereien und nach dem Spiel ließ er auch noch Fachwissen aufblitzen, als er anmerkte: „Uli war früher mal richtig gut.“

Max: Spielte im Mittelfeld starke 30 Minuten. War überall da, wo er gebraucht wurde. Offensichtlich wurde er noch woanders gebraucht. Er ließ sich auswechseln und machte mit seinem Drahtesel einen Kurztripp ins Schickimicki. Nach seiner Wiederkehr dann in der Abwehr mit hundertprozentiger Zweikampfquote. Was für ein Auftritt.

Julian: Kam nach seinem Zusammenstoß mit dem Gegner schwer rein in diese Partie, Luft zum reden war aber vorhanden. Nach der Pause dann wie verwandelt. Zweikampfstark, behauptete die Bälle und kurbelte immer wieder mit Übersicht die Offensive an. Toller vorletzter Toni-Kroos-Pass in die Tiefe vor dem 2-0. Und schön, wier er nach seinem taktischen Foul den zeternden Gegenspieler in den Arm nahm.

Tim: Tim brachte unmittelbar nach seiner Einwechslung all seine Päsenz ein. Unzählige Sparta-Verteidiger zerschellten an seinem Mario-Gomez-Körper. Band sich immer wieder ins Aufbauspiel ein und war nur durch Fouls zu stoppen. Weltklasse sein intelligenter Querpass vor dem 2-0.

Bert: Setzte seinen 50er Oberkörper immer wieder gekonnt in Szene, gewann einige Kofballduelle und holte den Ball vor Leos Zuckerpass zum 1-0 in die Raketenreihen zurück (Gegenpressing) Als er dann in der 70. Minute feststellte, dass er eigentlich in WM Form ist und die Tragik darin erkannte, knickte er sich willentlich den Fuß um und musste verletzt raus. Trozdem noch stark in der Kabine, wo er mit Witz und Charme die Herzen seiner Mitspieler berührte.

Christoph: Bewies bei seiner Aufstellung ein gutes Händchen und sorgte dafür, dass sein Trainerstuhl in den nächsten zwei Wochen vierbeinig bleibt. War in Hälfte 1 darum bemüht, für Ruhe auf dem Platz zu sorgen, fand dann selbst in der Halbzeit die richtigen Worte. In Halbzeit 2 gewann er wichtige Zweikämpfe und stieß immer wieder selbst in die Spitze. Hätte sich beinahe belohnt, doch die Analyse findiger Ersatzspieler gab preis: Er wollte es zu genau machen.

Tobi: Durfte 90 Minuten im defensiven Zentrum ran. Hatte aus dem späten Genickbruch der Vorwoche gelernt und interpretierte seine Rolle daher auffallend tief. Bei einem seiner gezielten Vorstöße zeigte er dann all seine Routine. Zunächst brüllte er Tim an, den Ball in die Mitte zu passen. Dann legte er einen unnachahmlichen Laufweg hin, um schließlich vor zwei Spartaspielern am Ball zu sein und eiskalt zu vollstrecken. Ausgebufft. Beobachtete später mit Wonne, den von Uli entdeckten, jungen Fuchs.

Rakete gegen Hamm 0-1 – Köllers Superkräfte funktionieren

Viele fragten sich: Wo ist er nur geblieben? Lange Zeit hatte er nicht mehr zwischen den Pfosten seines Herzensclubs gestanden. Am letzten Freitag gab es nun die Chance für alle grübelnden Raketen, die Frage an ihn höchst persönlich zu richten. Und Ulrich Köller antwortete trocken und in aller Gelassenheit: „Ich habe mich zum Superuli ausbilden lassen.“ Die Anwesenden machten große Augen. Alle schwiegen. Alle? Fast alle. Der unbeugsame Yoon stellte grimmig in Frage: „Wo kann man das denn machen?“ „Sag ich dir doch nich!“, antworte Köller mit donnernder Stimme und Yoon lief davon, versteckte sich hinterm Jackett (Schiedsrichterjargon für Werbebande).

Trainer Tobi vertraute seinem Ulrich und dessen Superkräften und strich kurzerhand beide Haberstocks, Vampirjäger Gregor von Schwech, Raketenibrahimovic Döpp und viele andere Stars aus dem Kader .„Die brauchen wir nicht, wir haben Superuli“, grummelte er mit kerniger Trainerstimme. Als sich Yoon wieder hinter dem Jackett hervorgewagt hatte, waren die Raketen vollzählig. Zu elft. Der Schiedsrichter pfiff an und Uli zeichnete mit seinen Torwarthandschuhen einen Drudenfuß in den Kunstrasen seines Fünfmeterraums.

Hamm zunächst nur nach Standards gefährlich. Doch der Ball kam nie in Tornähe. Hatte Uli wirklich Zauberkräfte entwickelt? Die Rakete ließ wunderbar den Ball laufen und spielte sich immer wieder über viele Stationen nach vorne. Yoon, Ravens, Klinck und Osterhaus scheiterten allesamt in aussichtreichen Positionen, teils am Gästekeeper, teils an sich selbst. Freudenstein riss vorne Lücke um Lücke, trieb sich listig umher, ließ Bälle geschickt durch, war für den Gegner wie ein Fisch – nie zu greifen. Ghislain wich immer wieder fürsorglich auf die Flügel aus und schaute dort, ob Yoon sich mal wieder hinterm Jackett verkrochen hatte.

Dann ein Freistoß für Hamm. Der Schütze zirkelte das Ding in den Winkel, doch Ulrich Köller wendete sein durch Speedreading angeeignetes Wissen an und verwandelte sich kurzerhand in einen Frosch, stieß sich kraftvoll vom Boden ab und sprang mit seinem gesamten Körper in den Torwinkel, aus dem er den Ball locker herausfischte. Thomas, Leo und Hendrik sorgten bis zur Halbzeit mit all ihrer Erfahrung dann für ein lockeres Austrudeln.

In der Halbzeit traf man sich zum Pausentee am Jackett. Dann ging es weiter. Rakete lauerte nun auf Konter und Hamm schob sich den Ball hin und her ohne gefährlich zu werden. Hatte Hamm nicht den Ball, hämmerten sie gegen Beine und Köpfe (wie Hammer das so machen,wenn gerade keine Nägel da sind). In Abwesenheit vom jüngeren Haberstock, sah sich Max gezwungen, eine Privatfehde mit dem Schiedsrichter zu führen und holte sich folgerichtig gelb ab.

Mit zunehmender Spieldauer vernachlässigte die Rakete die Defensive und spielte auf Sieg. Das führte zu Hammer Chancen. Ein Hammer rannte allein auf Uli zu. Der verwandelte sich in einen Bus und stellte sich quer vor das Tor. Dem Hammer blieb nichts anderes übrig: Er rannte verzweifelt mit dem Ball am Tor vorbei, in der Hoffnung, das würde irgendwas bringen (was es natürlich nicht tat).

Dann mal ein Raketenangriff: Tobi ging über rechts und bediente in der Mitte Christian, der sich drehte und umgetreten wurde. Doch der Pfiff blieb aus. Dafür ertönte Ulis Hupe, die nichts einbrachte. Hamm scheitere zwei weitere Male in aussichtreicher Position, dann konnte Yoon die Ungewissheit nicht mehr ertragen. Neugierig platzte es aus ihm heraus. „Kannst du wirklich zaubern, Uli?“, fragte er den Mannschaftsbus in Köllerform.“ „Ja“, erwiderte Superuli. „Beweis es mir“, hauchte Yoon. „Gut“, sagte Uli. „Den nächsten lass‘ ich rein.“ In der 88. Minute schoss ein Hammer aufs Tor und der Ball ging rein. Das war Beweis genug.

Die Rakete versuchte noch mal alles. Christoph brachte einen scharfen Freistoß in den Fünfer. Tobi köpfte den Torwart an. Letzte Minute: Ecke Christoph. Superuli jetzt mit vorne, köpfte das Plastikleder Richtung Tor, doch plötzlich fiel der Ball geradewegs zu Boden, als wäre er von unsichtbarer Wand aufgehalten geworden. Der Schiedsrichter pfiff ab. Was war passiert? Der Raketentorwartzauberer hatte vergessen, den Drudenfuß aus Halbzeit 1 wegzuwischen. Ein Anfängerfehler, der ihm in dieser Form sicher nicht noch ein mal passieren wird.

Die Rückkehr der Trainer – Rakete feiert tolkienen 2-0 Sieg gegen United

Mittwochabend in Flehe. „Nur noch auf unsere Türme! Größer geht es nicht mehr!“, brüllte der United-Kapitän in der 82. Minute und schwor sein Team damit auf die Schlussphase ein. Ein Blick in den Raketensechzehner verriet: Da vorne standen sie: Die zwei Türme. Doch sie waren machtlos. Denn die Raketen präsentierten sich an diesem Abend loyal und kampfstark wie: Die Gefährten. Und was macht die Herr-der-Ringe-Trilogie komplett? Richtig: Die Rückkehr des Königs. Die gab es nicht. Stattdessen einen hochemotionalen, gänsehautbehafteten, tollkühnen, nahezu epischen Auftitt des Trainerteams. Und das nach dem schweren Rückschlag von Hilden: Die Rückkehr der Trainer!

Ghislain hatte eine überraschende Aufstellung gewählt. Julian, der die Abwehr als Hauptschuldigen ausgemacht hatte, durfte es nun selbst besser machen und bildete gemeinsam mit Max und Gregor die Abwehrreihe. Zwei Türme und ein Hobbit also. In seiner Ansprache verdeutlichte Ghislain, Tobi wäre alleinschuldig an der letzten Niederlage und beorderte ihn dann auf die Position des Waldläufers. Eine mutige Entscheidung. Legolas Freudenstein, Sebastian Beutlin und Gimli Yoon rieben sich verwundert die Augen. Doch der Plan des Raketenkönigs ging auf.

Nachdem einer der Raketentürme in der zehnten Sekunde über den Ball gestolpert war, musste Manu – der Blaue – die Raketenfestung erstmals beschützen, mehr ließen die Raketen aber zunächst nicht zu. United hatte den Ball, Rakete lauerte. Und bekam nach zehn Minuten eine Ecke zugesprochen. Legolas Freudenstein schoss den Ball kunstvoll wie pfeilschnell vor das Tor, König Ghislain setzte sich am ersten Pfosten durch und legte quer. Waldläufer Tobi schaltete am schnellsten und schob das Ding über die Linie. 1-0. Eine Trainerkoproduktion.

United zog weiter ein feines Kurzpassspiel auf. Die nächste Chance aber hatten die Gefährten. Baumbart Ravens, schickte Tobi, der auf und davon marschierte und dann in der Mitte Trainerkumpel und Thronfolger Christoph suchte, doch die zwei United-Türme standen zu diesem Zeitpunkt noch hinten und konnten klärend eingreifen.

Auf der anderen Seite hatte Rakete Glück, dass United einen Kopfball am Tor vorbeisetzte. Vorne war es wieder der Waldläufer, der für Unruhe sorgte. Er stiebitze einem der Türme den Ball vom Fuß und schob die Schweineblase im Anschluss unterm Torwart hindurch. Um Haaresbreite verpasste diese ihr Ziel. So ging Rakete mit knappem Vorsprung in Halbzeit Zwei.

United weiter mit exzellenter Spielanlage. Rakete weiter gefährlich. Christoph zielte frech auf den kurzen Pfosten – Fußabwehr des Torwarts. Zauberer Leo blutete im Gesicht. Was für eine Schlacht. Sebastian Beutlin ging voran, König Ghislain, Baumbart Ravens und der ältere Haberstock gaben ihm Geleitschutz. Und dann kam er, der große Auftritt von Yoon. Tim nahm dem Gegner den Ball im Mittelfeld und schickte Tobi, der spielte rüber auf Gimli Yoon. Yoon dribbelte sich zunächst durch die Minen von Moria, dann zog er sich den Kampfhelm ins Gesicht, zückte seine Axt und schlug sich gewaltig durch eine Meute blutrünstiger Orks, den Ball eng am Fuß versteht sich. Thronfolger Christoph platzte in der Mitte vor Aufregung – dachten einige. Tatsächlich handelte es sich um einen elbischen Schlachtenruf: „Andiandiandiandiandiandiandiandi!“ Gimli Yoon blieb kurz stehen, betrachtete den Ball zu seinen Füßen, dann fiel sein Blick auf den jungen Thronfolger in der Mitte. Er krächzte ihm zu: „Ein Yoon passt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er passt genau dann, wenn er es beabsichtigt.“ Mit entschlossenem Blick schob er das Leder dann Richtung Torlinie. Ein Turm drohte zu klären, doch Christoph vollendete tolkien das Werk von Gloins Sohn Andi. Trainerteam: Zwei Tore, zwei Vorlagen. United: Null. Der Rest ist Geschichte.

Am Freitag spielt die Rakete Pokal. Mal schauen, ob Yoon wieder eine Axt im Schienbeinschoner hat.

2-3 gegen Hochdahl – Rakete verpasst geplanten 12-1 Auswärtssieg deutlich

Am Samstag traf sie sich zum Nachholspiel, die Rakete, diese Ansammlung von Tunichtguten und Gernegroßen, die den Rheinpark ihren Heimathafen nennt. Im sonnigen Hilden sollte auf der Anlage des dort ansässigen FC Italia der Hochdahler SV bezwungen werden. La Dolce Vita also. Die Vögel zwitscherten, kein Wölkchen am Himmel und die Auswechselspieler (leistungstechnische Gründe) genossen bei 23 Grad Außentemperatur den Blick auf das wohlpräparierte Spielfeld, an dessen Rand die S1 zwischen Dortmund und Solingen ihren Gleisen folgte. Raketentrainer Tobi hatte für diesen Bilderbuchsamstagnachmittag einen todsicheren Plan ausgetüftelt. 70 Minuten lang sollten die Raketen den Gegner bloß „ausspekulieren“ und ihn dann ab Minute 70 fachgerecht in seine Einzelteile zerlegen, so wie eine gut ausgebildete Fleischereifachverkäuferin das für gewöhnlich mit einem gerupften Masthahn macht. Doch die Mannschaft setzte diese Marschroute unter den fachkundigen Augen des Schiedsrichterobmanns konsequent nicht um. Würde die Rakete heute selbst Federn lassen?

Sie spielte zu Beginn ordentlich, kontrollierte Ball und Gegner, Großchancen blieben aber aus. Ganz stark in dieser Phase Rekonvaleszent Ulrich Köller, an diesem Nachmittag in Doppelfunktion als Paparazzo und Getränkewart erschienen und natürlich: Tickerkönig Gregor von Schwech, der die Raketendiaspora an den Endgeräten mit Tickerfeinkost fütterte.

Im Laufe des Spiels verloren „die Gäste aus der Landeshauptstadt“ (von Schwech) den Faden, und die Hochdahler Ersatzspieler machten sich auf dem Bahndamm warm. Rakete wurde kurz vor der Halbzeit nach unnötigem Ballverlust im Aufbau mit dem Rückstand bestraft.

Die zweite Halbzeit hatte dann mehr zu bieten. Trotz unmenschlicher Temperaturen auf dem Spielfeld, für die Hoch Leo verantwortlich zeichnete, biss sich die Rakete mehr und mehr in diese Partie, wollte den Ausgleich, rannte an, erspielte sich hochkarätige Torchancen. Tim spielte im Strafraum Bert frei, der zielte knapp daneben. Schwierig, Topleistungen abzuliefern, wenn der WM-Zug ohnehin abgefahren ist. Nach einer Ecke köpfte der Mann mit dem Transfermarkt.de-Profil – Hotte Bödecker – den Ball an die Latte. Dann Freistoß von Julian, Max nutzte eine Unaufmerksamkeit des Torwarts eiskalt. Der Ausgleich. Tim tauchte allein vor dem Hochdahler Torwart auf, doch Letzterer behielt die Oberhand. Und dann wieder ein leichtfertiger Ballverlust im Aufbau, die Hochdahler konterten über ihren schnellen Zopfspieler und kein Raketenspieler schaffte es zu folgen. 1-2 Rückstand. Rakete machte weiter. Max im linken Mittelfeld spielte auf Tobi ins Zentrum, der Yoon mit einem Diagonalball fütterte, Yoon spielte Nolook auf Tim und Tim zimmerte das Ding in die Maschen. Ein tolles Tor und es war klar: Die Rakete spielte hier volles Rohr auf Sieg. Tim jagte einen Freistoß an den linken Pfosten. Max scharfe Hereingabe hätte Tobi über die Linie drücken können, doch er schaffte es nicht (leistungstechnische Gründe). Julian wurde an der Strafraumkante gelegt. Max zirkelte den fälligen Freistoß ans Lattenkreuz. Tobi schickte Ravens auf die Reise. Der „Traktor unter den Ferraris“ nahm mächtig Fahrt auf und scheiterte mit einem satten Schuss an Torwart und Außennetz. Dann ein Konter der stets gefährlichen Hochdahler, Manu hielt spitze. Rakete drückte weiter und wurde nach bewährtem Muster bestraft: Unbedrängter Fehlpass im Aufbauspiel, zu wenig Gegenwehr im Anschluss und das Ding war drin. Nur noch eine Minute zu spielen: Der Zug war abgefahren, die Enttäuschung der Raketenspieler über diese unnötige Niederlage deutlich hörbar.

In der zweiten Halbzeit hatte die Rakete streckenweise tollen Fußball angeboten, ihr Publikum unterhalten, deutlich mehr Torchancen als der Gegner gehabt und auch der Wille konnte ihr nicht abgesprochen werden. Dennoch: So ganz unverdient war diese Niederlage am Ende nicht. Denn: Hätten die Raketen den Gegner – wie abgesprochen – erst 70 Minuten lang „ausspekuliert“, wäre das Spiel wahrscheinlich 12 zu 1 für Rakete ausgegangen. So oder so verließen einige Raketen „leicht angenascht“ die Sportanlage Richtung Landeshauptstadt.

Rakete 04 – Zenit Unterbach 2:2 – Später Ausgleich durch den Raketenschuh

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In der letzten Saison standen im Duell mit den Unterbachern ein Remis und eine knappe Niederlage für unsere Rakete zu Buche. Nun sollte mit viel Rückenwind aus den letzten siegreichen Spielen endlich der erste Dreier eingefahren werden. Doch leider ist die „Kader-Decke“ momentan etwas dünn. Nur 12 ½ Raketen (Ulf mit grippalem Infekt nur für Notfälle fit) fanden sich am Freitag Abend an der Pariser Straße ein. Gut, dass Stürmerstar Philipp mit seinen „Rakete 04“ gravierten Fußballschuhen das richtige Signal setzte.

Die Anfangsphase war durchaus ausgeglichen, die Gäste hatten aber die bessere Spielanlage. Nach knapp 20 Minuten kam Christian im Strafraum an den Ball, traf von der rechten Seite aus aber nur das Außennetz. Es war ein Weckruf für die Gäste, die dann den Ton deutlich angaben. Unsere umformierte Abwehr mit Leo, Julian, Gregor, Ravens und Ghislain mussten sich vielen Angriffen erwehren, konnten ab und an aber auch gefährliche Konter einleiten. So wie in der 30. Minute. Tim bekommt den Ball vom überragenden Yoon knapp 30 Meter vor dem Gehäuse gespielt, geht noch ein paar Schritte und zieht dann wuchtig ab. Nur das Tornetz der Unterbacher verhindert, dass der Ball nicht in Neuss gelandet ist: 1:0 für die Rakete! Wie so oft wurde nach dem Führungstreffer abgeklatscht, die Erleichterung bei allen Raketen war deutlich zu spüren. Zenit schien sich von Tims „Kunststoß“ und Mike Hankes Tor gegen Leverkusen reichlich inspiriert zu haben und schossen mit dem Anpfiff direkt auf Manus Kasten. Der stand leider etwas zu weit vor der Linie – 1:1. Auf ultrarutschigem Geläuf war die Maßgabe ab sofort klar: Shoooot. In der eigenen Hälfte wurde den Raketen kurz vor der Pause ein Freistoß zugesprochen. Leo probierte es direkt! mit einem gefährlichen Aufsetzer, den der Schlussmann der Gäste mit viel Mühe über die Latte lenken konnte.

In der zweiten Halbzeit vollzog sich ein Abnutzungskampf. Beide Teams schenkten sich nichts, unsere Raketen mit einer kämpferisch einwandfreien Leistung. Tim, Simon, Christian und Yoon unterbanden im prasselnden Regen jegliche Angriffsbemühungen der Gäste, Philipp rieb sich vorne auf. Julian und Leo immer wieder mit gefährlichen Vorstößen, bis auf eine Kopfballchance für Philipp aber ohne die zwingenden Gelegenheiten. Zenit, mit vielen guten Technikern ausgestattet, wusste aber auch die stumpfe Klinge einzusetzen. Da die Spielleitung sehr viel laufen ließ, stand am Ende nur eine gelbe Karte für Ravens, die der Schiri süffisant mit den Worten „Hast Du sauber umgehauen“ kommentierte. Kurz darauf eine strittige Szene im Strafraum der Raketen. Gregor kommt im Zweikampf angeblich zu spät und trifft mehr Gegner als Pocke. Den fälligen Elfmeter verwandelt Zenit zur Führung. 1:2. Zenit anschließend fast mit der Entscheidung – es rettet die Raketenlatte! In der letzten Viertelstunde noch ein Wechsel bei den Raketen. Für Ghislain kam René in die Partie. In der 88. Minute versucht Tim es wieder aus der Distanz, der Ball wird von einem Abwehrspieler aber abgefälscht und fällt dem Mann mit den Raketen-Schuhen quasi vor die Füße: 2:2 durch Philipp! Das Tor feiern Tim und Philipp gebührend mit dem berüchtigten Schuhputzjubel. In der Nachspielzeit bekommt Christian den Ball am 16er, trifft das Leder tückisch mit dem Schienenbein, doch der Keeper kann den „immer länger werdenden Ball“ knapp um den Pfosten lenken. Bei unangenehmen Regenwetter ertönte dann der Schlusspfiff, ein gutes Spiel mit einem aus Raketensicht gerechten Ergebnis!

 

Prickelnde Punktspiel-Premiere – Rakete schlägt Brause im Alliterationsduell 2-0

Frostiger Freitagabend, widrige Witterung, klirrende Kälte, bespielbarer Boden, anvisierter Auftaktsieg, steigende Stimmung: Rakete Rheinpark – Blau Blau Brause. Ein Fest für Alliterationsfans.

Ausgerechnet in diesem denkwürdigen Duell musste unsere Rakete auf ihren bärenstarken Brausebaron verzichten. Aber auch ohne den launigen Lank-Latumer Ulf standen elf rüstige Raketen auf dem gefärbten Grün: Maschine Manu im Tor. Als Wellenbrecher vor der Abwehr: Der bärbeißge Bödecker. Ganz vorne Beau Bert an der Seite von „Lässt-sie-alle-stehen“ Leo.

Brause dann mit dem besseren Beginn, Rakete mit dem Stotterstart. Nach zwei Minuten war zu erkennen, die Rakete hatte es mit einem guten Gegner zu tun. Tolle Torchancen sprangen aber kaum heraus. Die rustikale Raketenabwehr stand. Oberzweikämpfer Osterhaus machte jegliche Tür zu. Ballsportler Birkholz raspelte kein Süßholz, und Kante Knierim war auch an diesem Abend Kante Knierim.

So wagten sich unsere mächtigen Mannen immer mehr in die Offensive. Der frische Freudenstein kurbelte über rechts an, Arbeitsbiene Andi über links. Im Zentrum war der doppelte Haberstock nur durch fachmännische Fouls zu stoppen. Freistoß Rakete. Gut und gerne sechsundzwanzigeinhalb Meter. Eine Sache für den knorrigen Knierim. Gefühlvoll hob er das pinke Plastik über die massive Mauer. Schöner Schuss. Tolles Tor. Brause gefror die Sprite in den Adern.

Trainer Tobi pfiff Philipp heran und schickte ihn mit einem persönlichen Popoklaps aufs Feld. Pfau Philipp stolzierte straks in des Gegners Strafraum. Der jüngere Haberstock bediente ihn prompt. Ohne Federn zu lassen schob Philipp schön schnörkellos zum 2-0 ein.

Der Schiedsrichter bat zum Pausentee. Nun kam Rakete Ravens, außerdem Trainer Tobi für Bärbeißer Bödecker. Ein positionsgetreuer Wechsel passend zur Partie – lassen beide ihre berüchtigten Beine in der Freizeit gern in die Flaschenhälse berühmter Brauseflaschen hineinbaumeln, um ihre Waden in Fanta zu baden.

Brause stellte nach der Pause dann das Pressing ein. Rakete reagierte ratlos. Kam Brause doch mal vor das Raketengehäuse, fehlte die Kaltschnäuzigkeit. Und das bei morbiden Minusgraden. Für Rakete war es ein Freistoß, der die größte Großchance einbrachte: Bachelor-Double Bert flankte pfauengerecht auf Philipp, doch der kam die berühmte Pfauenfeder zu spät. Julian, Bert, Tim, Leo und eben Philipp brachten sich immer wieder in aussichtsreiche Ausgangssituationen, wurden aber vom guten Gegner gestört.

Bödecker wollte sich dann selbst einwechseln, doch seine bärtigen Beine waren in den Fantabrauseflaschen festgefroren. Hinten klärte Tobi ein dringendes Ding per Knie, dann war das Ding durch.

Ein arbeitsintensiver Arbeitssieg gegen einen griffigen Gegner. Frenetische Freude bei Freudenstein and Friends.

„Pokalkracher an der Pariser Straße“ Rakete 04 RheinPARK – SG Cosmos/Hennekamp 4:0

Die neue Spielzeit startete am letzten Freitag mit der ersten Pokalrunde. Der große Rivale aus vergangenen Hobbyligazeiten kam an die Pariser Straße, Cosmos Düsseldorf – „The Originals“. „We call it a Klassiker“ hätte vermutlich Franz Beckenbauer zu der Partie gesagt, wäre er denn gefragt worden.

Mit viel Vorfreude blickte man also auf die Partie. Und auch unser Gegner wusste die Partie zu würdigen. Schliesslich wurde auf deren Vereinshomepage der Gegner als „Rakete 04 RHEINBAHN“ angepriesen. Shots fired!

Raketen-Chef Ghislain erinnerte seine Mannschaft in der Spielbesprechung an glorreiche Schlachten gegen Cosmos. Unter anderem ein nebulöses 7:1 für die Rakete habe es wohl gegeben. Und die Spiele seien immer sehr rustikal gewesen. So so. Dementsprechend stellte er auch mit Hendrik, Thomas, Leo und Julian Spieler auf, die dagegen halten und so grimmig schauen können, dass kein Fahrkartenkontrolleur der Welt nach einem Fahrausweis fragen würde. Mit von der Partie war auch wieder Andi Yoon, der sich erbarmte und noch eine Saison seiner schillernden Hobbyligakarriere bei den Raketen verbringen wird.

Mit dem Anpfiff war die Rakete sofort tonangebend. Der Ball lief im Mittelfeld recht präzise auf sehr rutschigem Geläuf. Sturmtank Philipp tat die Winterpause gut. Er wirkte sehr spritzig und überlief mehrmals, wie ein D-Zug, seine Gegenspieler. Sein Sturmpartner Dennis, eher der Typ Bummelzug, wurde als Wandspieler eingesetzt, der die Bälle dann in das nachrückende Mittelfeld zurückspielte. Trotz der massiven spielerischen Überlegenheit fehlten die großen Chancen in den ersten 30 Minuten. Wenn nichts aus dem Spiel geht, dann vielleicht mal Gefahr über eine Standardsituation. Max schlug eine Ecke auf den am 16er stehenden Julian, der artistisch mit einem Seitfallzieher den Ball aufs Tor brachte und knapp vom Cosmos-Goalie über die Latte gelenkt wurde. Die erste größere Chance brachte noch mehr Auftrieb. Kurz darauf eine Flanke von Max auf Philipp, der die Pille sofort verarbeiten konnte und aus ca. 12 Metern zur längst überfälligen Führung traf. Der Brustlöser. Cosmos kam danach zu einer Chance nach einem katastrophalen Rückpass, aber Andi Ravens im Tor musste bei diesem Schuss nicht mehr eingreifen. Kurz vor der Pause wieder die Zugbegleiter im Angriff. Philipp setzt sich halblinks im 16er durch und spielt in die Mitte, wo Ulf, die Altrakete, mühelos einschieben konnte. 2:0! Damit wandelt Ulf auf den Spuren von Ryan Giggs, schließlich hat er in jeder Raketen-Hobbyliga-Saison mindestens einen Treffer erzielt. Chapeau! Mit großen Gefühlen ging es dann in die Halbzeit.

Ghislain nahm einige Wechsel vor. Bert, Christian, Tim, Christoph und der Präsi kamen in die Partie. 5 andere mussten weichen. Jedoch verließen nur 4 den Platz. Frank mimte am Spielfeldrand Otto Rehhagel, zählte alle Vertragsamateure und EU-Ausländer durch und winkte dann Leo schnell vom Platz. Das Spiel konnte mit 11 gegen 11 weitergehen. Aber nicht allzu lange. Hendrik beklagte sich mehrmals höflich aber bestimmt beim Schiedsrichter, der die konstruktive Kritik weniger konstruktiv aufnahm. Zehn Minuten Zeitstrafe! Die Rakete machte es also wieder spannend, aber auch in Unterzahl kontrollierten wir das Spiel. In der zweiten Halbzeit gefielen insbesondere Tobi und Max als wuchtige „Tecklenburger-Flügelzange“, die immer wieder Flanken in den Strafraum brachte. In der 62. Minute dann das 3:0. Max flankt auf Philipp und der rammt mit seinem Kopf den Ball und den Torwart ins Netz! Schöner Doppelpack. Vorgespult bis in die 80. Minute ­ eine rar gesäte Kontermöglichkeit der Gäste. Abwehrchef-Thomas kam, wie jede gute Regionalbahn, ein „Tacken“ zu spät und senste ca. 35 Meter vor dem eigenen Tor den Stürmer um. Wieder 10 Minuten Zeitstrafe. Mit „Hatte eh keine Lust mehr“ quittierte er den heutigen Dienst. Aber auch die abermalige Unterzahl konnte unserem Offensiv-Feuerwerk nichts anhaben. Kurz vor dem Ende flankte Bert präzise auf den heranstürmenden Christoph, der per Kopf auf den 4:0-Endstand stellte. Der Derbysieg war nie gefährdet und geht aufgrund der großen Überlegenheit natürlich in die Geschichte unserer Raketen ein.

In ca. 4 Wochen startet dann auch die Liga. Das erste Spiel bestreiten die Rheinparker dann gegen den Aufsteiger Blau Blau Brause.

Abstiegsgespenst erlegt – Rakete spielt 2-2 gegen United 08

Am Mittwochabend haben die Rheinpark-Raketen Großes vor: Geisterjagd! Woanders soll es zumeist bloß vertrieben werden, aber Rakete will auf Nummer sicher gehen. Heute soll es ein für alle Mal abgeknallt werden: das Abstiegsgespenst. Dafür reicht ein mickriges Pünktchen gegen United – neben unseren Raketen, die immer noch freudetrunken vom berauschenden 2-0 gegen Heine sind, zur Zeit wohl DIE Mannschaft der Stunde in der Hobbyliga-West.
Ghislain schickt eine Mannschaft ähnlich der „Helden von Heine“ auf die Jagd. Ex-Zivi Bödecker und Pazifist Giang verweigern an diesem Abend den Dienst. Kanonier Knierim und Christian „Bond“ Freudenstein hätten gerne mitgeballert, sind aber unpässlich.
Doch ihr Ersatz ist von vielversprechender, teils gar adeliger Natur. Neben Ghostbuster Sebastian läuft der sagenumwobene Vampirjäger Gregor von Schwech auf. Wird er das Abstiegsgespenst erlegen?
Fledermäuse tummeln sich im Flutlicht. Die Fleher Kirchturmglocke läutet. 21 Uhr. Geisterstunde. Der Schiri pfeift an. Die Jagd ist eröffnet.
Ecke für United. von Schwech grinst wissend. Hat er den Gegner in einen Hinterhalt gelockt? Die Antwort: Nein. Nach einer Zeigerumdrehung steht es 0-1. United nutzt eine Unstimmigkeit in der Raketendefensive und köpft seelenruhig ein. Die Rakete weiter im Tiefschlaf, träumt vom letzten Freitag. United versucht weiter Kapital daraus zu schlagen – erfolglos. Rakete fängt sich, sollte dabei lieber mal das Gespenst fangen. „Die machen immer dasselbe!“, ruft der gegnerische Trainer. Heute sind nicht die falschen Einwürfe gemeint, sondern der andere einstudierte Raketenautomatismus: Das Aufbauspiel.
Max gewinnt mit ein wenig Fortune den Ball (Patrick hätte ihn vermutlich mit viel Fortune gewonnen) und spielt weiter auf Yoon, der, bewaffnet mit einem Kescher, durchs Mittelfeld keschert. Yoon leitet geschickt weiter auf Tim. Tim zündet den Turbo und schließt mit links ab. Das Plastikleder landet im langen Eck. Ein toller Ausgleichstreffer. Yoon jubelt. Sollte es ihm tatsächlich gelungen sein, um diese Uhrzeit einen Schmetterling zu fangen?
Rakete setzt nach. United taumelt. Es geht wieder über links, am Ende der Ballstafette taucht Sebastian mutterseelenallein im Strafraum auf, scheitert aber am großartig reagierenden Unitedkeeper. Da war mehr drin.
Halbzeit: Während Vampirjäger von Schwech sich telefonisch Tipps von seiner Kollegin Buffy geben lässt, bleibt Außenrist Ravens in der Kabine, steht unter Schock und behauptet felsenfest, er hätte ein Gespenst gesehen.
Die ersten Minuten in Hälfte Zwei gehören wieder United. Rakete wackelt. Und fällt. Nach halbgeklärtem Eckball rückt die Hintermannschaft nicht schnell genug raus, der Ball wird zurück in die Gefahrenzone gespielt, der Stürmer stoppt die Kugel technisch fein und jagt sie in den Winkel. Ein Sahnetor.
United verdichtet jetzt die eigene Hälfte und verlegt sich auf Konter. Manu hält seine Jungs mit der ein oder anderen Heldentat im Spiel.
Wenn das Pünktchen noch eingefahren werden soll, muss etwas passieren. Die Raketentrainer beraten sich. Es kommt zur Rochade. Simon und Tobi rutschen vor, Max und von Schwech zurück ins letzte Glied. Zunächst springen nur ein paar Halbchancen raus, dann aber überschlagen sich die Ereignisse: Julian spielt Tobi in Rechtsaußenpostion an, der dringt in den Strafraum ein, tanzt seinen Gegenspieler aus, der ihn daraufhin umflext. Elfmeter. „Eigentlich sollte der Gefoulte selbst nicht schießen“, versucht Bert Hoffmann – die holländische Antwort auf John Sinclair – Schlimmeres zu verhindern. Doch Tobi ist nicht von seiner Idee abzubringen. Er legt sich den Ball hin, schaut aufs Tor. Und was sieht er? Das Abstiegsgespenst sitzt oben auf der Latte und leckt sich seelenruhig die Fingerchen. Tobi fackelt nicht lange und schießt es ab. Schutzlos fällt das Gespenst vom Querbalken. War das der Klassenerhalt? Unklar.
Dann die letzte Aktion: Rakete rennt von ganz hinten an. Manu spielt auf Simon, der auf Tobi, der löffelt den Ball mit links Richtung Strafraum, Tim verlängert per Kopf, Julian schießt. Gehalten. Der Ball landet vor den Füßen Sebastians. Der sieht das angeschossene Gespenst röchelnd im Fünfer liegen und schießt den Ball ins Tor. Das Abstiegsgespenst macht seinen letzten Atemzug. Der Schiedsrichter pfeift ab. Ghostbuster Sebastian schlägt drei Fliegen mit einer Klappe: Pünktchen gesichert, Gespenst gekillt, Klasse gehalten. Letzteres trifft doppelt auf Manu zu. Rakete jubelt und legt anschließend eine Schweigeminute ein. Tränen fließen. Das arme Gespenst. Es ist Vampirjäger Gregor von Schwech, der es in einem ehrwürdigen Zeremoniell zu Grabe trägt, während Yoon zwei neue Schmetterlinge in sein fast volles Sammelalbum klebt.

Rakete Himmelfahrt – 2-0 Sieg gegen Spitzenreiter Heine

Um 19 Uhr 45 Ortszeit fährt er am Freitagabend vor, der neue Mannschaftsbus Travego M von Mercedes Benz. „LA RAKETE“ ist in Großbuchstaben darauf zu lesen. Der Vorstand hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um abwanderungswillige Top-Spieler bei der Stange zu halten. Als Erster steigt dann Rekordspieler Yoon aus dem Bus. Flachdach-Käppi auf dem Kopf, Designer-Kulturbeutel am Anschlag. Neugierige Beobachter machen gar Notiz von frisch gestochenen Unterarm-Tattoos (rechts: Andi; links: Yoon). Aus seinen Kindskopfgroßen Kopfhörern schallt „Digga Ahnma“. Der Bus schließt die Türen und fährt wieder ab. Die anderen Raketen kommen mit Rad und Bahn.
Tobi hat einen verwegenen Matchplan ausgetüftelt, den er seiner Elf in launiger Peter-Neururer-Manier nahebringt. Man spürt: Die Jungs werden heute für ihren Coach durchs Feuer gehen. Wie geplant ist die Rakete von Beginn an griffig. Nach fünf Minuten läuft Julian geradewegs Richtung Tor, wird regelwidrig gestoppt. Klare Notbremse. Der Schiri lässt Gnade vor Recht ergehen: Zehn Minuten für den Abwehrrecken von Heine. Mit seinem linken Huf jagt Thomas den Freistoß ans Gebälk. Entschlossener Szenenapplaus auf Platz und Tribüne. Jegliche Heine-Angriffe werden an diesem Abend im Keim erstickt. Freistoß von rechts; Bert hält den Fuß rein, verpasst knapp.
Ein Raketenrad greift heute ins andere. Und wer tanzt aus der Reihe? Individualist Yoon. Von Julian rechts außen freigespielt, schlägt er Haken um Haken, legt überlegt ab auf Mittelfeldsäule Simon, der noch überlegter aus 23 Metern abschließt. Das „Plastikleder“ (Döpp) fliegt und fliegt. Wie an der Schnur gezogen, schlägt schließlich im linken Winkel ein. Ein Tor wie ein ein erotisches Heine-Gedicht – Wollustschauer an der Pariser Straße. Yoon küsst seine tätowierten Unterarme.
Auch gegen elf Heine-Kicker zeigt sich die Rakete souverän. Patrick kocht alles ab, was ihm so begegnet, während Hendrik und Thomas dafür sorgen, dass nichts um ihn herum anbrennt.
Tobi hat nach dreißig Minuten genug gesehen, beordert mit Julian und Simon das wuchtige Mittelfeldzentrum vom Platz. Ihm steht der Sinn nun nach etwas mehr Tikitaka, also streift er sich die Zehn über und wechselt sich und seinen Zögling Max ein. Das Ergebnis: Berauschend. Der Ball rollt genüsslich durch die Reihen: Freudenstein, Außenrist Ravens, und Hoffmann zeigen der Welt, was sie drauf haben (Davidoff Cool Water, Jean Paul Gaultier, Gammon).
Ghislain rennt allein aufs Tor. Will bei Tempo 30 den Okocha machen. Da er aber ohne Ball unterwegs ist, gerät der Präsident ins Stolpern. Folgerichtig. Dann rennt Max Richtung Tor (mit Ball). Der Torwart senst ihn um und sieht Rot. Auch folgerichtig.
In der Halbzeit schwelgt die Rakete bereits in Erinnerungen an diese sagenhafte erste Hälfte. Rakete weiß: Heine ist bislang ungeschlagen. Einige überlegen, auf dem Zenit ihrer Karriere aufzuhören. Yoon bringt derweil seinen Wikipedia-Eintrag auf den neuesten Stand: „Assists: 2“. Tim kommt ins Spiel, Giang auch, holt sich direkt eine Karte ab. Freut sich schon, damit später Paybackpunkte an der Aral zu sammeln. Währenddessen beißt sich Heine weiter die Zähne am kompakten Defensivverbund des Gastgebers aus. Rakete verlagert das Spiel von rechts nach links, von links nach rechts, spielt vor und zurück. Wer ist hier der Aufsteiger und wer die unangefochtene Spitzenmannschaft der Ersten Liga?
In der Sechzigsten dann taktische Wechsel: Christian ist nach überragendem Fight Gelb-Rot gefährdet. Ghislain muss ebenfalls runter, hat Sehprobleme, weil ihm die Schönheit des Raketenspiels Tränen in die Augen treibt. Simon und Julian sind zurück. Und gleich mittendrin. Julian haberstockt sich durchs linke Mittelfeld bis zur Grundlinie, drei bis sechs Heine-Verteidiger prallen an seinem emrecanesken Körper ab. Julian dribbelt die Torauslinie entlang. Von hinten kommt Tobi angerauscht, nimmt Blick- und Zeigefingerkontakt mit Julian auf. Der versteht, löffelt den Ball punktgenau Richtung kurzer Pfosten. Tobi ist da und vollstreckt mit links volley ins kurze Eck. Schulmäßig herausgespielt. Die Pariser Straße bebt. Die Messe ist gelesen, das Schnitzel paniert, der Drops gelutscht. Yoon küsst seine Unterarme jetzt mit Zunge.
Mit kühlem Kopf und einem herausragenden Max in der Defensive fährt die Rakete einen hochverdienten Sieg gegen Heine (HEINE!) ein. Im Anschluß findet vor der Aral die turnusmäßige Pressekonferenz statt. Tobi beckenbauert in die Mikrofone: „Die Rakete wird über Jahre hinaus für den Rest der Hobbyliga nicht zu besiegen sein.“ Und fügt an, es tue ihm leid für den Rest der Hobbyliga. Nächsten Mittwoch geht es gegen United. Nach unbestätigten Gerüchten planen die Raketentrainer gar ohne Torwart nach Flehe zu reisen – nicht, weil im Bus kein Platz wäre, sondern weil Manu gegen Heine keinen Ball halten musste. Man darf gespannt sein, ob die Raketen dort auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden oder ob sie endgültig in den Hobbyligahimmel auffahren werden.